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Ausstellungsübersicht 2009


Cao Fei

bis 15. Februar 2009
Die 1978 in Guangzhou geborene Cao Fei gehört zu den wichtigsten chinesischen Künstlern ihrer Generation. Aufgewachsen mit der in Hongkong und Taiwan entwickelten Welt der elektronischen Unterhaltungs- und Werbeindustrie, verbindet sie in ihren Videofilmen und Installationen die Einflüsse einer globalen Post-Popkultur mit traditionellen Elementen der Oper, des Theaters oder des Tanzes in China. Souverän setzte sie seit der Jahrtausendwende die technischen Möglichkeiten des Films, der Animation und des Internets ein, um die rapiden gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüche in China darzustellen. Cao Fei entwickelte in kürzester Zeit eine eigenständige Bildsprache, in der sich Realität und Fiktion, Geschichte und Gegenwart überblenden. In ihren "Doku-Dramen" wie etwa Nu River Project (2007) oder Cosplayers (2004) nimmt sie bewusst eine zwischen Innensicht und Außenblick vermittelnde Perspektive ein, bei der Dokumentation und Fiktion ineinander greifen. Vorgestellt werden auch die neuesten Projekte RMB-City und I Mirror, die Cao Fei seit 2007 im Internet mit ihrem computeranimierten Stellvertreter, dem Avatar China Tracy für "Second Life" entwickelt hat. Die Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg ist die erste umfassende Einzelausstellung der chinesischen Künstlerin in Deutschland, die in Zusammenarbeit mit Le Plateau, Paris, und Vitamin Creative Space, Guangzhou, organisiert und von dem Künstlerbuch Journey/Reise begleitet wird.

Anne-Mie van Kerckhoven, Nothing More Natural

12. März-24. Mai 2009
Eröffnung: Mi., 11. März 2009
Anne-Mie van Kerckhoven (*1951 in Antwerpen) hat seit den frühen 1980er Jahren computerbasierte Animationen, Filme, Texte, Musik und Zeichnungen geschaffen, die sie in multimedialen Installationen präsentiert. Sie war ein prominentes Mitglied der belgischen Underground-Szene der 1970er und 1980er Jahre, die mittels Ausstellungen und Performances die gesellschaftlich akzeptierten, kulturellen Normen und Konventionen in Bezug auf Begehren, Macht, Politik und Sexualität hinterfragte. In ihren Projekten verbindet sie die Untersuchung wissenschaftlich-technologischer Systeme und Terminologien mit philosophischen Konzepten wie etwa Sigmund Freuds Theorie der (sexuell bedingten) unbewussten Verdrängung und der eigenen authentischen Erfahrungen als Frau und Künstlerin. Die Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg zeigt eine repräsentative Auswahl von rund 120 Zeichnungen sowie Filmen und Installationen. Die für jeden Ort individuell konzipierte Ausstellung und der gemeinsame, retrospektiv angelegte Katalog mit Beiträgen von Susanne Neubauer, Gertrud Sandqvist und Dirk Snauwaert (Verlag der Buchhandlung Walther König Köln) entstanden in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Luzern und dem Wiels Center for Contemporary Art, Brüssel. In Nürnberg wird zudem am 23. April eine Filmnacht in Kooperation mit dem Filmhaus-Kino Nürnberg und eine Installation im 1. OG des Künstlerhauses die Ausstellung ideal ergänzen.
Presseservice

André Butzer Viele Tote im Heimatland: Fanta, Sprite, H-Milch, Micky und Donald! Gemälde 1999-2008
18. Juni-23. August 2009
Eröffnung: Mittwoch, 17. Juni 2009
Die Kunsthalle Nürnberg zeigt eine konzentrierte Auswahl der großformatigen Gemälde von André Butzer (*1973 in Stuttgart) aus den Jahren 1999 bis 2009. Der heute in Rangsdorf bei Berlin lebende Künstler war in den 1990er Jahren Gründungsmitglied der Hamburger "Akademie Isotrop", eines selbstorganisierten Lehrinstituts, das in Hamburg zwischen 1996 und 2000 bestand. Seine von Butzer selbst als "Science-Fiction Expressionismus" bezeichneten Bilder zitieren Elemente des Comics und der Popkultur und vermischen dabei triviale und historisch bedeutsame Referenzen. Butzer wechselt fließend zwischen figürlichen Motiven und monochromer Abstraktion: Einerseits setzt er sich in seinen Bilder mit der ungegenständlichen Malerei von Albert Oehlen auseinander, andererseits ist auch eine Beschäftigung mit Künstlern wie Edvard Munch (Ich bin Munch, 1999) oder Asger Jorn zentral. So formieren sich in seinen Gemälden abstrakte, bisweilen ornamental anmutende Elemente mit gegenständlichen, kindlich-grotesken Figurationen. Ein weiteres zentrales Motiv ist die Wiederholung, denn Butzer arbeitet häufig in Serien und versucht seine Bilder "so oft wie möglich und so gut wie möglich zu wiederholen, um sie weniger schlimm zu machen, so wie Warhol oder Pablo Picasso das schon vor mir gemacht haben, ich mache also Massenkultur [...]" (André Butzer, 2005). Butzers Gemälde gleichen farbintensiven Visionen untergegangener technischer Utopien oder generieren scheinbar ständig mutierende Gestalten und Kopfformen, die er in verschiedene Gattungen wie etwa"Friedens-Siemense", "Schande-Menschen" oder "Nasaheim" einteilt. Die Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg wird von einem zweisprachigen (dtsch./engl.) Katalog begleitet, der eine erste kompakte Übersicht über die Werkentwicklung seit zehn Jahren gibt.
Presseservice

El Dorado
Über das Versprechen der Menschenrechte

17. September-15. November 2009
Eröffnung: Mittwoch, 16. September 2009
El Dorado, das legendäre Land des Goldes in Südamerika, liefert die titelgebende Metapher für eine internationale Gruppenausstellung, die sich mit dem längst nicht erreichten Versprechen der weltweiten Anerkennung und Durchsetzung der Menschenrechte befasst. Anlass für diese Ausstellung gibt der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis, der im Oktober 2009 an Abdolfattah Soltani vergeben wird.
Mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 verkündet, hatte sich eine Völkergemeinschaft erstmalig und auf der Grundlage eines gemeinsamen Verständnisses der Menschenwürde auf weltweit geltende Menschenrechte geeinigt. In 30 Artikeln proklamierte die Generalversammlung klassische Freiheitsrechte aber auch wirtschaftliche und soziale Rechte. Auch wenn ihre Akzeptanz seitdem kontinuierlich gewachsen ist, so werden die Menschenrechte dennoch täglich verletzt. Ihre weltweite Umsetzung erscheint als paradiesischer Zustand, der, dem sagenhaften Goldland El Dorado ähnlich, wohl Utopie bleiben wird.
Die Gruppenausstellung El Dorado setzt verschiedene Schwerpunkt: Einerseits zeigt die Kunsthalle Nürnberg Arbeiten von MARTHA ROSLER, KARA WALKER oder JOTA CASTRO, die offensichtliche Menschenrechtsverletzungen durch Krieg, Folter, Vertreibung oder Rassismus thematisieren. Andererseits widmen sich zahlreiche Werke den "subtilen" Menschenrechtsverletzungen. Denn, so schreibt die Autorin Juli Zeh, mit den Menschenrechtsverletzungen sei es wie mit Bildern auf großen Plakatwänden: Man erkenne sie immer nur von der anderen Straßenseite aus. So fällt es tatsächlich häufig leichter, die politischen und gesellschaftlichen Missstände in anderen Ländern zu kritisieren, als die Rechtsbrüche vor der eigenen Haustür zu erkennen. Auch wenn der Menschenrechtsschutz in Europa im weltweiten Vergleich relativ effizient ist und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg die Möglichkeit der Individualbeschwerde gibt, so werden durch Ausgrenzung, durch die Missachtung der Chancengleichheit oder durch den Verstoß gegen das Recht auf soziale Fürsorge auch in Europa Menschenrechte permanent missachtet. Arbeiten von DANICA DAKIC, DIONISIO GONZÁLES, OLIVER BOBERG oder TOBIAS ZIELONY thematisieren diese "subtilen" Menschenrechtsverletzungen.
Kamera läuft!
Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt der Ausstellung liegt bei künstlerischen Werken, die sich dem sogenannten "Kampf gegen den Terror" und der damit verbundenen Einschränkung des freien öffentlichen Lebens widmen. Seit den Terroranschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 hat sich der weltweite Sicherheitswunsch verstärkt. Im Kontext der Terrorismusbekämpfung werden die Freiheitsrechte jedoch systematisch eingeschränkt. Amnesty International sieht in ihrem Jahresbericht 2008 beispielsweise den Schutz vor willkürlicher Verhaftung oder den Schutz vor unmenschlicher Behandlung eklatant verletzt. Der Wunsch nach innerer Sicherheit führt –‚ auch in Deutschland – zu verstärkter Kontrolle. Um die Utopie körperlicher, politischer und staatlicher Unversehrtheit zu erzeugen, wird überwacht, überprüft und dokumentiert. Verschärfte Kontrollen bei der Einreise, Rasterfahndung, Telefonüberwachung, Kontrolle von Geldtransfers oder die Verstärkung der Sicherheitsschecks an potenziell gefährdeten Orten: Diese Ma§nahmen scheinen nicht nur dem Grundrecht der Informationellen Selbstbestimmung zu widersprechen, sondern verstoßen auch gegen Artikel 12 der Menschenrechte. In diesem wird dem Bürger der Schutz seiner Intimsphäre zugesichert und ein willkürlicher Eingriff in sein Privatleben untersagt. Arbeiten von EVA GRUBINGER, U.R.A. FILOART oder KORPYS/LÖFFLER thematisieren die omnipräsente Überwachung und reflektieren einen bedenklichen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel.
Hinter den Bergen / bei den Zwergen
In dem 1849 veröffentlichten Balladen-Gedicht Eldorado von Edgar Ellan Poe sucht ein Edelmann nach dem sagenhaften Land El Dorado. Nach seiner zwar lebenslangen aber dennoch erfolglosen Suche befragt er einen wandelnden Schatten nach der Lage des legendären Ortes und erhält zur Antwort:
"Hinter den Bergen / bei den Zwergen / tief im Tal der Schatten. Reit' kühn, reit" / dieser sprach g'scheit, / "wenn du suchst nach El Dorado!"
Um ein Land zu finden, in dem Glück, Toleranz sowie sozialer und kultureller Wohlstand alltägliche Lebensrealität sind, bedarf es offensichtlich nicht nur einer weiten, sondern auch kühnen Reise. Nicht weniger Ausdauer benötigt die Reise zu einer weltweiten Anerkennung und Durchsetzung der Menschenrechte. Die in der Kunsthalle Nürnberg ausgestellten Werke schreiten auf diesem Weg einen Schritt voran, indem sie auf Missstände aufmerksam machen. Jedoch nicht, indem sie versuchen Konflikte zu illustrieren oder Menschenrechtsverletzungen zu visualisieren. Die ausgestellten Zeichnungen, Fotografien, Videoarbeiten, Skulpturen und Installationen wirken auf einer abstrahierten Ebene. So zeigt beispielsweise Jota Castro die Arbeit "La Nina, la Pinta y la Santa Maria": eine formal hoch ästhetisierte Bodeninstallation aus tausenden, filigranen Papierschiffchen, die sich subtil mit Themen wie Flucht und Vertreibung beschäftigt ... Alle Werke fordern zum Mitdenken auf, ermöglichen jedoch auch einen neuen Zugang zum Thema, denn gerade künstlerische Arbeiten können die Kraft entwickeln, auf die gesellschaftliche Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit, zwischen Versprechen und Realität, aufmerksam zu machen. Laut dem ungarischen Schriftsteller György Konrád haben Künstler den "dritten Blick": Sie treten einen Schritt zurück und entwickeln aus der ästhetischen und mentalen Distanz heraus, einen ungetrübteren Blick auf gesellschaftliche (Miss)verhältnisse. Auf produktive Weise gelingt es ihnen, ihre Innenperspektive und intime Kenntnis der Lebensverhältnisse mit einer Außenansicht zu verbinden.
Teilnehmende Künstler: Oliver Boberg (DE), Berlinde De Bruyckere (BE), Jota Castro (PE), Danica Dakic (BA), Dionisio Gonz‡les (ES), Eva Grubinger (AT), Özlem Günyol/Mustafa Kunt (TR), Mathilde ter Heijne (NL), Korpys/Löffler (DE), Thomas Locher (DE), M+M (Marc Weis/Martin de Mattia) (DE), Jens Pecho (DE), Martha Rosler (US), Katrin Ströbel (DE), U.R.A. Filoart, Kara Walker (US), Tobias Zielony (DE).
Die Gruppenausstellung El Dorado wird von einem umfangreichen zweisprachigen (dt./engl.) Katalog begleitet. Der Katalog enthält Texte zu allen Arbeiten, Essays von Olaf Arndt, Gabriele Mackert und Harriet Zilch sowie einen Text zu den Menschenrechten von Juli Zeh.

Juergen Teller
10. Dezember 2009-14. Februar 2010
Eröffnung: Mittwoch, 9. Dezember 2009
Der in London lebende Fotograf Juergen Teller (*1964 in Bubenreuth/Erlangen) begann seine künstlerische Karriere Ende der 1980er Jahre mit Aufträgen für englische Mode- und Zeitgeistmagazine wie I-D, The Face und Arena. 1991 begleitete er den US-amerikanischen Grunge-Sänger Kurt Cobain und dessen Band Nirvana auf ihrer Nevermind-Tournee. Seit dieser Zeit arbeitet Teller äußerst erfolgreich in der Mode- und Werbebranche. Er porträtierte unter anderem die Supermodels Kate Moss und Linda Evangelista sowie die Musikerinnen Sinéad O'Connor, Courtney Love, Björk und Patti Smith. Für das Modelabel Strenesse setzte Teller 2004 Boris Becker und Claudia Schiffer in Szene. Die Inszenierung authentisch und überzeugend wirkender Bilder gehört zu Juergen Tellers individuellem Stil und ist sein künstlerisches Markenzeichen als Werbe- und Modefotograf. So bricht Teller in seiner 1996 im Auftrag des Magazins der Süddeutschen Zeitung entstandenen Fotoserie Versace-Heart mit dem in der Modeindustrie gängigen Klischee perfekter Schönheit. In ungeschönten, quasidokumentarischen Aktaufnahmen des Supermodels Kristen McMenamy fokussiert er die körperlichen Strapazen eines Fotoshootings. Diese Fotos sind nicht perfekt ausgeleuchtet und McMenamy ist weder geschminkt noch in Designerkleidung gehüllt. Auch in den Modeaufnahmen der Folgezeit findet keine ikonenhafte Stilisierung der porträtierten Fotomodels statt. Teller zeigt diese erschöpft, mit ihren Narben und körperlichen "Mängeln" sowie in ungeschickt wirkenden Posen, die den gängigen Inszenierungen der Modefotografie widersprechen. Dieser neue und "ehrlichere" Blick revolutionierte in den 1990er Jahren die Modeszene und machte Teller zu einem gefragten Fotografen für namhafte Modelabels wie Hugo Boss, Yves Saint Laurent, Calvin Klein oder Marc Jacobs. Das fotografische Werk Juergen Tellers lässt sich jedoch nicht auf die Modefotografie reduzieren. Andere seiner Bilder sind stark autobiografisch geprägt und setzen sich mit seiner Identität und Herkunft auseinander. Zuletzt zeigte Teller im Kontext der im Sommer 2008 von der Kunsthalle Nürnberg ausgerichteten Gruppenausstellung Das Gelände Fotografien seiner Tochter Lola (2007) sowie die Bildserie Nürnberg (2004-2005): Bei den Aufnahmen der bröckelnden Zeppelintribüne, die einst das Zentrum nationalsozialistischer Selbstinszenierung bildete, verzichtet Teller auf jegliche Dramaturgie, sondern erzählt stattdessen mit sensiblem Blick für das Detail vom langsamen Zerfall und dem Kreislauf der Natur.
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