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Die Kunsthalle Nürnberg zeigt in ihrer aktuellen Ausstellung Installationen, Skulpturen, Fotografien und Videos der niederländischen Künstlerin Mathilde ter Heijne (*1969). Bekannt wurde ter Heijne durch lebensgroße Skulpturen, die ihr durch die Verwendung von Abgüssen ihres Gesichts und ihrer Hände zum Verwechseln ähneln. Diese Repliken treten als Protagonistinnen in ihren Videoarbeiten oder auch als Soundskulpturen auf und ermöglichen der Künstlerin, gesellschaftliche Konflikte auf ihre Stellvertreterinnen zu übertragen und sie zugleich (fast) am eigenen Körper zu erleben.
In vielen ihrer Arbeiten forscht Mathilde ter Heijne danach, was sich nach Jahrhunderten patriarchaler Gesellschaftsstruktur über Frauen und ihre Biografien tradiert hat. So zeigt die Fotoserie der Unknown Woman (2010), der auch das Ausstellungsmotiv einer jungen Frau in niederländischer Tracht entnommen ist, Frauenporträts von den Anfängen der Fotografie bis in die 1920er Jahre. Über das Leben der Unbekannten ist nichts überliefert, jedoch macht Mathilde ter Heijne diese wieder sichtbar, rückt sie aus der Anonymität und stellt damit die Frage nach ihrer individuellen und gesellschaftlichen Identität.
Neben Werken, die Aspekte einer patriarchal geprägten Gesellschaft visualisieren, thematisiert ter Heijne auch alternative Systeme: Wirtschaftssysteme, die nach dem Prinzip des Tauschhandels funktionieren (Give and Take, 2010) oder Schriftsysteme, die auf archaischen Zeichen basieren (Experimental Archeology, 2006/07 oder Red, black, silver and white, 2009). Ein alternatives Gesellschaftssystem zeigt die Künstlerin in der Installation Export Matriarchy (2007), die das Ergebnis einer Reise in den Südosten Chinas ist. Dort lebt die Mosuo Minderheit bis heute in einer matriarchalen Gesellschaftsordnung, die sich in dem zentralen Begegnungsort des Familienclans, dem "Zumu"-Holzhaus, widerspiegelt. Der im Maßstab verkleinerte Nachbau eines originalen "Zumu" aus Kunststoff, repräsentiert für Mathilde ter Heijne die Idee einer matriarchal geprägten Gesellschaftsform.
Die Überblicksausstellung Mathilde ter Heijne. Any Day Now, die in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin entstanden ist, präsentiert eine vielschichtige Werkauswahl aus den letzten 12 Jahren.
Die Ausstellung wird von einem Künstlerbuch begleitet (104 S., dt./engl., Verlag für moderne Kunst Nürnberg). Die Publikation umfasst neben Werkabbildungen und umfangreichem Quellenmaterial von Mathilde ter Heijne geführte Interviews sowie einleitende Texte zu den Themenkomplexen. Ausstellung und Künstlerbuch entstanden in Kooperation mit dem LENTOS Kunstmuseum Linz. Die Ausstellung wird in Linz mit einer individuellen Werkauswahl vom 21. Januar bis 27. März 2011 zu sehen sein.
Abbildungen:
No Depression in Heaven, 2006
Courtesy ARNDT Berlin
Foto: Kuno Terwindt
F.F.A.L. #2, #1, #3, 2003
(Fake Female Artist Life: Elvire Goulot, Elaine Risley und Ueno Otoko)
Sound Installation
Image courtesy of the artist and Sammlung Olbricht
The Invisible Hero, 2005
Courtesy ARNDT Berlin
Foto: Tim Partridge

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